Liebe Freundinnen und Freunde der BTG, 

die Fragen nach dem Starttermin einer 2022er Auflage der Bikepacking Trans Germany werden lauter – sowohl per Mail als auch in der WhatsApp-Gruppe. Wir hingegen waren seit dem Ende der BTG 2021 eher leise. Unter anderem deshalb, weil wir Zeit brauchten, um uns und unsere Gedanken rund um die BTG zu sortieren und einige Ereignisse sacken zu lassen, bevor wir uns bei den interessierten Fahrerinnen und Fahrern melden. Speziell die letzten beiden Jahre der BTG, die, wie wohl sämtliche Lebensbereiche, stark vom Einfluss der Corona-Pandemie geprägt waren, haben uns nachdenklich gemacht. Worum unsere Gedanken in der Hauptsache kreisten, das möchten wir euch nachfolgend erläutern. Auch möchten wir euch mitteilen, was dies für die Bikepacking Trans Germany in ihrer bekannten Form bedeuten wird.

Die Bikepacking Trans Germany wurde als Mountainbike-Route ins Leben gerufen. Sie ist und will keine weitere Gravel-Route sein. Aus dieser Tatsache ergeben sich bei der Streckenführung und dem Anspruch mancher Teilstücke gewisse Voraussetzungen wie unwegsames und teils wegloses Gelände (u.a. Sand-Passagen), Hike-a-Bike Abschnitte wie die Teufelsküche, technische Abfahrten sowie lange, steile Anstiege, die wiederum geeignetes Material erfordern. Dementsprechend kritisch sehen wir die von der Industrie und ihrem Marketing formulierte Gleichung „Gravelbike = Bikepacking“ bzw. „Bikepacking = Gravelbike“. Diese Gleichung mag für eine Vielzahl von Streckenprofilen korrekt sein, auf denen das Gravelbike eine gute Wahl darstellt.

Für die Bikepacking Trans Germany hingegen hat die oben erwähnte de facto Gleichsetzung der Begriffe „Bikepacking“ und „Gravelbike“ jedoch meist für falsche Erwartungen und in der Folge zu Enttäuschung sowie teils auch Frust geführt, der sich auf diversen Kanälen über uns entladen hat. Es gab Mails, in denen sich über eine schlechte Streckenführung beschwert und bemängelt wurde, dass die BTG zu hart sei – die Anstiege zu steil, manche Sandpassagen unfahrbar und Abfahrten teils viel zu gefährlich.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die BTG – je nach für sich selbst formulierten Anspruch – auch mit einem Gravelbike durchaus sehr gut machbar ist – entsprechende Fitness, Fahrtechnik, Erfahrung und Leidensbereitschaft vorausgesetzt. Allerdings ist es so, dass schon ein Mangel in einem dieser Bereiche zu gefährlichen Situationen führen kann, die gravierende Konsequenzen mit sich bringen können. Was das im Endeffekt für uns als diejenigen, die die Strecke ins Leben gerufen und sie Fahrerinnen und Fahrern zur Verfügung gestellt haben bedeuten kann, lässt sich leicht ausmalen.

Natürlich böte sich die Möglichkeit, die Streckenführung anzupassen und im Zuge dessen zu entschärfen. Damit wären wir dann wieder am Beginn dieses Absatzes angekommen: Die Bikepacking Trans Germany wurde als Mountainbike-Route ins Leben gerufen und als solche möchten wir sie erhalten.

Die BTG ist und war nie eine organisierte Veranstaltung. Wir haben uns immer ausschließlich von der Idee des self-supported Modus leiten lassen, ganz im Sinne einer Tour Divide oder anderer Bikepacking Events. Dabei geht es um ein Treffen Gleichgesinnter, die eine bestimmte Strecke selbstständig und ohne jegliche Hilfe von außen in möglichst kurzer Zeit bewältigen möchten. Dabei gab es die Möglichkeit eines gemeinsamen Starts, es steht aber jedem frei auch zu jeder anderen Zeit die Strecke unter die Reifen zu nehmen, das sogenannte Individual Time Trial (ITT). Bikepacking ist deshalb immer Eigenverantwortung, die bei der Vorbereitung beginnt. Nicht viele Events bieten eine POI-Liste oder einen Newsletter-Service. Möglicherweise haben diese Dinge bei einigen Teilnehmern den Eindruck eines Rundum-Service erweckt, den wir nicht leisten können und wollen. Nicht wenigen Teilnehmern ging am ersten Anstieg das Trinkwasser aus. Andere verloren ihr Tracking-Gerät und nahmen nachfolgende Fahrer in die Verantwortung. Weitere “Episoden” deuten darauf hin, dass sich das Herangehen der Fahrerinnen und Fahrer vor und während des Events nicht mehr mit unseren Vorstellungen decken.

Und ja, es gibt den Haftungsausschluss. Aber kein Anwalt kann uns versichern, dass wir als Initiatoren einer Radtour damit von jeglicher Verantwortung befreit sind. In der Bikepacking-Szene gab es in den letzten Jahren einige tragische Unfälle mit Todesfolge. Wir können uns gar nicht ausmalen, was solch ein Ereignis für die BTG bedeuten würde. Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass Fahrerinnen und Fahrer sich Startnummern wünschen oder gar selbst basteln, aber ein findiger Anwalt könnte daraus auf ein organisiertes Rennen schließen und Fragen stellen.

In den vergangenen beiden Jahren waren einige Regionen Deutschlands einem starken Freizeitdruck ausgesetzt. Nicht bzw. nur sehr eingeschränkt vorhandene Reisemöglichkeiten verlagerten Freizeitaktivitäten und Tourismus vom Aus- ins Inland. Dies war auch für die BTG spürbar: Wiederholt wurden wir von Naturschutz- und ähnlichen Interessensverbänden kontaktiert und darauf hingewiesen, dass dieser oder jener Teilabschnitt aus unterschiedlichen Gründen nicht zu befahren sei. Vom ersten Schreck beim Entdecken einer solchen Mail im Postfach abgesehen ließen sich derlei Hinweise jedoch leicht zur Zufriedenheit aller Parteien bearbeiten und die Fahrerinnen und Fahrer der BTG bekamen davon kaum etwas mit.

Dies änderte sich schlagartig in diesem Jahr, als sich eine lokale Tourismusbehörde bei uns meldete und uns mitteilte, dass man u.a. wegen der Veranstaltung eines nicht genehmigten MTB-Rennens die Forstbehörde eingeschaltet habe. Weitere Vorwürfe, mit denen wir uns konfrontiert sahen, waren Wildcamping, illegale Lagerfeuer und Rücksichtslosigkeit gegenüber Wanderinnen und Wanderern. Dank vieler beschwichtigender Mails, virtueller Krisensitzungen und einer Live-Umleitung der Route konnte diese Situation glücklicherweise deeskaliert werden, denn gegen eine Behörde möchte niemand einen Kampf führen.

Der Schock jedoch sitzt immer noch tief. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Vorwürfe gegenüber uns als Team hinter der BTG sowie den Fahrinnern und Fahrern haltlos sind. Fakt ist aber auch, dass diese im Raum standen und auf absehbare Zeit im Raum stehen werden. Dem Risiko, hier mit unseren Namen für Dinge einstehen zu müssen, die außerhalb unserer Verantwortung und somit unseres Einflussbereichs liegen, möchten wir uns schlicht nicht aussetzen.

Bis auf weiteres werden wir also keinen gemeinsamen Start mehr organisieren. Das heißt aber nicht, dass es die Bikepacking Trans Germany als Route nicht mehr gibt. Wir wollen weiter an der Pflege des Tracks arbeiten und unser Netzwerk aus Scouts und Helfern aufrechterhalten. Die Route wird nach wie vor ganzjährig befahrbar sein. Und für individuelle Touren einschließlich Tracking wird unser Trackingpartner followmychallenge.com sicher eine Lösung finden. Die Veröffentlichung der Ergebnisse findet allerdings nicht mehr über unsere Webseite statt. Mit denjenigen von Euch, die uns bereits ihren Unkostenbeitrag für den Start in 2022 zukommen ließen oder eine Vorbestellung einer BTG2022 Race-Cap aufgegeben haben, werden wir uns in Kürze wegen der Rückerstattung der Zahlungen in Verbindung setzen.

Wir bedauern es, Euch die Hoffnung auf einen Gemeinsamen Start der BTG genommen zu haben und hoffen trotzdem auf Euer Verständnis.

Mit sportlichen Grüßen, 

das BTG-Team Achim, Thomas und Fabian.

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